Werd doch Bauer – wie dein Vater!

Eltern müssen sich gar nicht einmischen, wenn ihre Kinder einen Beruf wählen. Oft genug entscheiden die sich ohnehin für das, was sie schon kennen. Und das ist gut so.

„Werd doch Journalist, wie dein Onkel.“ – „Mama, das ist anstrengend!“ Ich erinnere mich noch genau an diese Unterhaltung. Damals muss ich so um die 15 gewesen sein. Die Tierärztin in mir hatte ich hinter mir gelassen, irgendwo geisterte schon die Schriftstellerin herum, aber ach, es war ja noch Zeit. “Werd doch Journalist!” Mama hat Recht behalten – ich auch: Es ist hin und wieder anstrengend, klar, kommt mir aber trotzdem selten vor wie “Arbeit”. Momentan kann ich mir keinen anderen Beruf für mich vorstellen. Journalist, wie mein Onkel. Keiner in der Familie hat mich je dazu gedrängt. Doch musste ich als Abiturientin für eine Reportage aufs Dorf, bekam ich das Auto meiner Eltern; fehlte für die Uni-Bewerbung noch das Praktikum, half mir mein Onkel. Noch heute fühlen wir uns auf Familienfeiern wie Verbündete, tauschen uns darüber aus, was in der Branche los ist.

Frau am Laptop / Foto: Pexels

„Du musst schon gerne sitzen.“ / Fotos: Pexels, Pixabay

Unserer Sippschaft können wir uns bei der Berufswahl nicht entziehen. Was wir an Vorlieben und Talenten geerbt haben, unterfüttert das, was wir von den Menschen um uns herum mitbekommen: frühes Aufstehen, kurze oder lange Wege zum Arbeitsplatz, Sonntagsdienste, Abende am Computer, Schichten, Freiheiten, Jobverlust, Geld, die Kollegen. – Eine Blitz-Umfrage unter Freunden:

Anna*, zum Beispiel. Ihr Vater, ein HNO-Arzt, hätte es wohl gern gesehen, wenn sie sich diesen Beruf ebenfalls ausgesucht hätte. Anna nicht. „Ich hab mit Blut und Eiter nicht so viel am Hut.“ Und dann die Nachtdienste, die Nachbarn, die vorbeikommen, weil sie Medikamente oder eine Krankschreibung brauchen. „Das wollte ich alles nicht.“ Heute heilt Anna keine Hälse, Nasen und Ohren, sondern Seelen. Sie ist Psychotherapeutin. Ihren beiden Teenager-Söhnen würde sie den Job allerdings nicht zu 100 Prozent empfehlen: “Ich bin mit meinem Beruf zufrieden, aber hey, man muss schon gerne sitzen, das machst du in dem Beruf den ganzen Tag.” Anna sagt aber auch: „Ich hab nicht so den Bedarf, mich in meinen Kindern auf diese Weise zu verewigen.” In ein paar Jahren weiß sie mehr.

Trecker fahren, ins Stadion gehen

Anders war das bei Sven, dessen Vater sicher um die Wirkung wusste, die ein riesiger Traktor auf einen Zehnjährigen hat. Der ihn dann auch steuern darf. „Mein Vater hat mich bewusst unbewusst beeinflusst“, sagt Sven, heute 28 und Landwirt wie sein Vater. „Es ist schon gut, wenn man den Beruf von klein auf kennt und nicht erst neu lernen muss.“ Dafür hat Sven andere Dinge lernen müssen: „Wenn man später im gleichen Betrieb zusammenarbeitet: das Berufliche und das Private zu trennen.“

Chris dagegen sieht seinen Vater eher selten im Job, aber es kommt durchaus vor, dass sie im selben Stadion arbeiten. Chris ist Sportjournalist. Wie sein Vater. Und wie sein Großvater. Aufgewachsen ist der 24-Jährige in einem Haus voller Sportbücher. In den Beruf gedrängt gefühlt hat er sich aber nie, erzählt er mir. Von seinem Vater hat Chris vor allem das Schreiben und den Sport lieben gelernt. Ein bisschen Starthilfe gab es auch: „Zwar hat mir mein Vater nie direkt einen Job besorgt, aber seine Ratschläge und sein Adressbuch haben mir am Anfang einen Vorteil verschafft, den ich ohne ihn nie gehabt hätte“, sagt Chris. Er meint, dass der Beruf in seinem Verhältnis zum Vater nicht das Wichtigste sei. „Trotzdem gibt es für uns beide kaum etwas Schöneres, als bei einem Bier oder einem Glas Wein über die Sportnachrichten zu plaudern.“

* Alle Namen geändert.


Und dann hätte ich noch Fragen…Sippenkitt Profil

→ Gibt es einen Beruf in Deiner Familie, den besonders viele gewählt haben?

→ Was wärst Du geworden, hättest Du den Beruf Deiner Eltern übernommen?

→ Was wärst Du geworden, hättest Du (nicht) auf Deine Eltern gehört?

 

Ahoi *** Katharina

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