Sorry, dieser Name ist bereits vergeben

Es gibt einfach zu viele Menschen mit dem gleichen Namen. Danke, liebe Eltern. Wie wäre es, wenn wir das mal ein bisschen regulieren?

Die Oma einer Freundin hat mir erzählt, wie sie zu ihrem Vornamen Ursula Helga kam. Als sie in den 1930er-Jahren geboren wurde, war es bitterkalt und schneite seit Tagen. Der junge Vater des kleinen Mädchens wurde in die Stadt geschickt, mit dem Auftrag, beim Standesamt den Namen Ingrid Erika eintragen zu lassen.

Hinterher behauptete er, auf dem langen Fußmarsch durch den Schnee habe er vergessen, wie das Kind nun hatte heißen sollen. In seiner Not habe er sich für Ursula Helga entschieden. Wie die Mutter reagiert hat, ist nicht überliefert. Ursula Helga schien ihm die Namensänderung nicht übel genommen zu haben. Sie wirkte sehr vergnügt, als sie mir die Geschichte am Kaffeetisch berichtete.

Wählen Sie aus den Top Ten … nicht

Immerhin hat sich Ursula Helgas Vater an den Zeitgeist gehalten. Sowohl Ingrid und Erika als auch Ursula und Helga zählten damals zu den beliebtesten weiblichen Vornamen. Heute hätte er sich aus weit weniger unterschiedlichen Namen bedienen müssen: Marie, Mia, Maria, Sofia, Emma, Emilia, Hanna und Anna stehen seit Jahren bei neuen Eltern ganz oben. Als Tochter einer Erzieherin, weiß ich, welche Folgen das hat. Zum Beispiel wenn man mal schnell ein Kind von der Wasserpumpe wegpfeifen will und sich erst durch die Gleichklänge („Emmamianna-… Hanna!!“) brabbeln muss, bis das Zielkind auch reagiert.

Ich finde daher den Vorschlag durchaus bedenkenswert, den Wissenschaftler aus Bielefeld vor einigen Jahren gemacht haben: Heiraten zwei, sollen sie für einen gemeinsamen Namen jenen auswählen, der seltener ist. So würde sich, sagten die Forscher, die Zahl der Müllers, Meiers und Schulzes binnen weniger Jahrzehnte deutlich reduzieren.

Was halten Sie von Ruth?

Wie wäre es also, wenn wir Vornamen ähnlich steuerten? Standesämter könnten ein Kontingent festlegen, wie viele Mias, Emmas oder Annas pro Jahr vergeben werden. Wer früher gebiert, hat die Wahl, wer erst im Dezember entbindet, muss sich etwas einfallen lassen: „Nein, tut mir leid, Maria ist dieses Jahr nicht mehr zu haben. Aber wenn Sie sich beeilen, können wir Ihnen noch Sofia anbieten, sehe ich gerade im System — das Paar drüben beim Kollegen hat sich noch nicht entschieden. Nicht? Was halten Sie von Ruth? Da hätten wir noch ganz viele.“

Andererseits stört es mich gar nicht, wenn jemand so heißt wie ich. Selbst wenn die Leute sogar den gleichen Nachnamen tragen. Mindestens eine Bäckereifachverkäuferin, eine Projektreferentin und eine Rollstuhl-Tennisspielerin gibt es da. Begegnet bin ich zweien von ihnen, ohne mich über meine Identität zu wundern.

Außerdem zeigt das Beispiel von Ursula Helga: Hinter jedem Namen steckt eine eigene Geschichte. Und die macht den Unterschied.

(Foto: pixabay / Antranias)

„Ich fühle mich sehr wohl als Pepsi-Carola“

Regelmäßig fragen Journalisten bei Menschen mit seltsamen Namen nach, so wie hier in der „Welt“ . Zugegeben, ich lese das sehr gerne – und überlege jetzt, den Zahnarzt zu wechseln. Ich hätte gern einen Termin bei Winnetou Kampmann.

 

Und dann hätte ich noch Fragen…Sippenkitt Profil

→ Wer hat deinen Namen ausgewählt und wie kam es dazu?

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→ Welches ist der häufigste Vorname in deiner Familie?

Ahoi *** Katharina

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