Frag mich – aber nicht so!

Du beginnst, auf deinem Stuhl herumzurutschen. Dein Leben liegt vor dir wie ein weißes Blatt Papier. Du suchst nach Worten. Dabei hat dich ein Verwandter nur etwas gefragt. Willkommen auf der Familienfeier.

Ich freue mich immer auf Feste, bei denen ich meine Verwandten und engsten Freunde wiedersehe. Wohin ich auch blicke: Menschen, die mich oft schon mein ganzes Leben lang kennen; ihr Stimmengewirr, ihr Lachen, ihre Gesten sind vertraut, auch wenn sie selbst mal schlanker, mal fülliger, mal grauer und mal in anderer Begleitung auftauchen.

Doch dann kommt das Examen. Na, was macht die Schule? Hast du denn auch schon einen Freund? Was willst du später machen? Kann man davon leben? Wann bist du fertig? Wann heiratet ihr? Und — Kinder geplant? Was macht der Job? Hast du denn schon wieder was gefunden? Nein? Fahrt ihr noch mal in den Urlaub? Echt kein Fleisch? Was macht die Rente? Was machst du mit all der Zeit?

Netter Versuch.

Es sind die einfachsten Fragen, aber gesichtswahrend kannst du darauf eigentlich nur mit „läuft“ oder „ja“ antworten. Dabei ist das selten die ganze Wahrheit, du weichst aus, lässt Dinge weg oder notlügst lieber gleich, damit das Gespräch keine unangenehme Wendung nimmt. Diese Fragen können zur Checkliste des normalen, „richtigen“ Lebens geraten: Wer keinen Haken dran setzen kann, mit dem oder der stimmt etwas nicht. Und wer die Fragen stellt, so wirkt es manchmal, prüft anhand der Antworten auch seine eigene Checkliste, die eigene Vorstellung vom Glück ab. Hatter. Hatter nicht. Machtse auch. Machtse nicht.

Klar, nicht jede dieser Fragen ist in jedem Fall ein Fettnapf. In der Regel meint es niemand böse. Jeder und jede von uns hat diese Fragen schon einmal selbst gestellt. Ich auch. Du auch. Ich glaube, dass die Checklisten-Fragen — wenn nicht mit Dreistigkeit oder mangelndem Feingefühl — oft mehr mit Nichtwissen und Unsicherheit zu tun haben. Wer kann sich schon merken, was die Nichte, der Onkel, die Cousine oder der neue Mann der Schwester gerade machen? Was sollen sie denken, wenn du sie anschweigst, weil dir nichts einfällt, das du sagen kannst?

Ich tröste mich manchmal damit, dass die Fragen wenigstens ein Interesse an den wichtigen Dingen im Leben zeigen: funktionierende Beziehungen zu anderen Menschen, ein Auskommen, Erholung, Nahrung.

Keine Lust drauf? Dann lasst uns andere Fragen stellen!

Ich weiß gar nicht mehr viel von dir: Wonach soll ich dich am besten fragen?

Was macht dir gerade Freude?

Worüber ärgerst oder sorgst du dich? 
Möchtest du mir davon mehr erzählen?

Vielleicht kannst du mir helfen?

Möchtest du erzählen oder einfach nur was trinken?

 

Jasemin Uysal hat da auch ein paar Vorschläge.

‚Fragt dann mal wieder jemand, wann man selbst denn endlich Hochzeit feiere, könnte man dann einfach mit der Gegenfrage „Ach, die Einladung im letzten Jahr hattest du gar nicht bekommen?” antworten.‘

 

Und dann hätte ich noch (andere) Fragen…Sippenkitt Profil

→ Wie reagierst Du bei Feiern auf Dir unangenehme Fragen?

→ Hast Du eine Notfall-Frage, die immer funktioniert?

→ Welche Frage stellst Du nicht wieder?

 

Ahoi *** Katharina

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