Kuchen für die Außenseiter!

Mobbing stärkt den Zusammenhalt — auch in der Familie. Ich finde nicht, dass wir da mitmachen sollten. Ein guter Vorsatz für die Feiersaison.

Screenshot: Instagram-Account Gary Janetti„Diana war die Prinzessin des Volkes, was könnte Meghan Markle sein? — Das Volk.“ Der amerikanische Autor Gary Janetti macht in seinem erfolgreichen, fiesen (aber sehr lustigen) Instagram-Account die Front auf: Meghan, die Neu-Royale, wird dort fiktiv und satirisch von einem kleinen hinterhältigen Thronfolger gemobbt. Prinz George darf das, er ist niedlich und spricht doch aus, was viele weibliche Fans sowie traditionelle Königshausfans seinem Onkel Harry an den Kopf werfen wollen: „Warum ausgerechnet sie?!“

Seien wir ehrlich, zu jeder Familie gehören Verwandte, bei denen „die anderen“ unwillkürlich mit den Augen rollen oder seufzen. Menschen, die irgendwie nicht so richtig dazu zu passen scheinen. Die berüchtigt sind für unangenehme, peinliche oder gar bitterböse Momente.

Außenseiter müssen sich stets messen lassen

Von Meghan Markle wissen wir, dass sie eine nette Mutter, einen wankelmütigen Vater und zwei schräge Halbgeschwister hat. Dass sie Amerikanerin und dazu noch geschieden ist. Trotzdem darf sie ein Ästlein in dem stattlichen Stammbaum der Windsors besetzen. Wäre ja noch schöner, wenn der hohe Familienrat oder Menschen, die es immer besser wissen, darüber zu befinden hätten, wer „rein“ darf und wer nicht.

Historisches Foto: Onkel Karl

Leider haben es die vermeintlichen Außenseiter oft nicht leicht — egal ob sie angeheiratet sind, eine andere Idee vom guten Leben haben als der Rest der Familie oder sonst wie anecken. Die großen Romanzen wider alle Widerstände und das Rebellendasein müssen sich eben oft am Urteil des heimischen Kaffeekränzchens messen lassen.

In unserer Familie erzählt man sich gern von Onkel Karl, dem Weltenbummler. Es existiert ein Foto von ihm, beschriftet mit „als Krämer im Geschäft, Nord Amerika, etwa 1860“. Onkel Karl hat ferne Länder bereist, doch kehrte er nach Hause zurück, musste er sich am Dorfeingang komplett ausziehen. Die Verwandten verbrannten seine Kleider, und er selbst musste sich gründlich waschen, bevor er in frischen Sachen endlich heimgehen durfte. Das war aus hygienischer Sicht sicherlich sinnvoll, zeigt aber Weltenbummlern wie Karl, wie das zu Hause so läuft.

Die Gruppendynamiker unter uns wissen, gemeinsame Feinde stärken den Zusammenhalt. Unliebsame Verwandte müssen dafür herhalten, dass die anderen sich besser und enger verbunden fühlen: Sie sitzen mitten im Kaffeekränzchen, das bereits das Urteil über sie gefällt hat.

Das einzig Gerechte daran ist, dass niemand sicher sein kann, dass nicht sie oder er selbst das Feindbild der anderen ist. Ein schwacher Trost, finde ich. Was da nur hilft — als kleiner Vorsatz für die nun beginnende Festsaison — Duldsamkeit und Kuchen. Seien wir nett zueinander.

 

Fotos: Privat; Screenshot Instagram; pexels/Gratisography


Und dann hätte ich noch Fragen…Sippenkitt Profil

→ Wie wichtig ist dir das Wohlwollen deiner Familie?

→ Glaubst du, dass Blut letztlich dicker als Wasser ist?

→ Lieber schwarzes oder lieber weißes Schaf sein?

Ahoi *** Katharina

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