Hör auf deine Eltern: Wer unsere Musik prägt –

Ihr denkt, ihr hättet euch euren Musikgeschmack mühsam selbst erarbeitet? Sorry – nein. US-Forscher haben gezeigt, wie sehr wir dabei unseren Eltern ausgeliefert sind.

Ich steh‘ auf die Beatles. Die Englischlehrerin in der Grundschule sang mit uns „Let it be“, dessen Original dazu aus dem Kassettenrekorder knisterte. Am Gymnasium klampfte der Musiklehrer später „With a Little Help from My Friends“, während wir Schüler den Liedtext grölten und mir manchmal das Pipi in die Augen stieg. Es waren die frühen 90er, und unsere Lehrer durften endlich die Musik mit uns singen, die ihnen zu DDR-Zeiten verboten gewesen war.

Später entdeckte ich die zerfledderten Beatles-CDs in der Stadtbücherei. An einem Nachmittag vorm CD-Player dann der verwunderte Schock. Ich kannte das! Schon immer! Das war also das Lied, das mein Vater immer pfiff:

Straßenschild: Penny Lane / Foto: Pixabay

„Penny Lane“. Und „Ob-La-Di, Ob-La-Da.“ Diese Songs hatten mich begleitet, seit ich ganz klein gewesen war. Ohne dass ich es bemerkt hatte, waren sie in mein Unterbewusstsein gekrochen und hatten nur darauf gewartet, dass ich sie wiederfand.

Gegen die Beatles hätte ich tatsächlich kaum eine Chance gehabt, das weiß ich jetzt. US-Psychologen haben vor einigen Jahren in einer Studie erforscht, an welche Musik wir die stärksten Erinnerungen knüpfen — egal ob frohe oder traurige — und welche Lieder uns Kraft geben oder wehmütig werden lassen. Dafür haben die Wissenschaftler jungen Erwachsenen Musik aus den vorangegangenen Jahrzehnten vorgespielt.

Obacht in den frühen Zwanzigern

Schon frühere Studien haben gezeigt, dass uns die Musik am meisten beeinflusst, die wir mit Anfang 20 hören. Daher war es auch keine Überraschung bei dem Test in den USA: Je neuer die Songs waren, desto lebhafter waren die Erinnerungen, die die jungen Frauen und Männer mit ihnen verbanden. Aber nicht nur das. Ähnlich stark wurden sie auch von jenen Liedern geprägt, die ihren Eltern mit Anfang 20 gefallen hatten. Was wir also als junge Erwachsene gern hören, spielen wir anscheinend später auch häufiger unseren Kindern vor. Und die nehmen es dann auf in ihren eigenen Musikgeschmack. So sieht’s aus.

Ich habe jetzt eine Playlist gemacht mit Damals-Liedern. Jeder einzelne Song erinnert mich jedes Mal, wenn ich ihn höre, an einen bestimmten Menschen aus meiner Familie. Meistens, weil ich das Lied von oder mit diesem Menschen besonders oft oder sogar zum ersten Mal gehört habe.

Danke an dieser Stelle auch an Onkel Hartmut für die mir lange unbegreifliche Frage: „Katharine, Katharine, was ist los mit dir…“ ¯\_(ツ)_/¯


Und dann hätte ich noch Fragen…Sippenkitt Profil

→ Wer hat Dir mehr Musik mitgegeben: Deine Mutter oder Dein Vater oder jemand ganz anderes?

→ Welche Lieder meidest Du, weil sie Dich zu sehr an früher erinnern?

→ Welchen Song würdest Du gern vererben?

Ahoi *** Katharina


Fotos: pixabay

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