Wohin mit den alten Fotos?

Wenn wir uns nicht um die Bilder von der Familie und Freunden kümmern, verlieren sie ihre Bedeutung und landen auf dem Flohmarkt oder im Müll.

„Aus unserem Urlaub im Saar—. Den Wagen durfte ich nach 13 Jahren erstmalig wieder selbst fahren.“ Das war’s. Mehr steht nicht auf der Rückseite dieses Fotos. Wo genau an der Saar der Urlaub stattfand, lässt sich nicht entziffern. Das Bild stammt aus dem Fundus meiner Großeltern, vermutlich kam es in den 1950er-Jahren per Post in die DDR, vermutlich sind Mutter und Tochter auf dem Bild zu sehen.

Was mache ich damit? Die Menschen, die neben dem Auto stehen, sind mir fremd. Aber mir gefällt das Motiv: Frauen und ein Auto, das Lächeln der Älteren, die schlanke Hand der Jüngeren, die sie elegant an den Türgriff gelegt hat.

Schwarzweiß-Foto einer Familie am Meer

„Februar 1957“.

Mir wird bewusst, dass irgendwann jemand vor meinen Fotos sitzen wird und den Menschen, die mir wichtig sind, keine Bedeutung mehr beimessen kann. Oder vielleicht sich an meine Eltern erinnern, aber keine meiner Schulfreundinnen kennen wird. Im Grunde könnten meine Fotos auch in einer Flohmarkt-Box enden, so wie das Bild (links) mit der Frau und den Kindern am Meer, das ich mal in Amsterdam gekauft habe. Auf dessen Rückseite steht auf Niederländisch „Februar 1957“, was darauf hindeutet, dass es sich wohl um eine niederländische Familie handelt, die vielleicht an der Nordsee steht. Aber wer weiß?

Digitalisieren und dann Schreddern – nicht wirklich

Ich sollte auf die Rückseiten meiner Bilder schreiben, wer und was zu sehen ist und von wann etwa die Aufnahme stammt. Am besten wäre es, ich würde sie digitalisieren. Scannen, eindeutig benennen, speichern und es nicht verpassen, wenn sich über Jahre die Speichermedien und Dateiformate weiterentwickeln — schöne Grüße an die Urlaubsfotos auf CD.

Bleiben aber immer noch die Originale aus Papier, die je nach Qualität nach Jahren verblassen oder nach vielen Jahrzehnten. Ich könnte sie schreddern und in den Müll werfen, Platz schaffen. Das bringe ich nicht übers Herz.

Muss ich auch nicht, sagt mir die Fotografin Sarah Brocke, die ich um Rat gefragt habe. Ich soll die Bilder vor Feuchtigkeit und Licht schützen, sie nicht im Keller und nicht auf dem Dachboden aufbewahren. „Wichtig ist auch, dass man Zeitungen nicht mit Fotos lagert“, sagt sie. „Den Fehler habe ich mal gemacht. Da reagiert die Säure im Zeitungspapier mit den Bildern.“ Ohnehin sollten Fotoalben und Fotokartons säurefreies Papier enthalten. Das sogenannte PAT-Zertifikat zeigt mir, welche Verpackungen und Ordner die Bilder lange schützen.

Wer guckt sich das später noch an?

Wenn ich die Fotos allerdings weitervererben möchte, komme ich ums Digitalisieren langfristig nicht herum, lerne ich von Sarah. Aber dann fallen mir die Tausenden von digitalen Fotos ein, die ich allein in den vergangenen Jahren mit dem Smartphone geknipst habe. Ein Erbe, das meine Nachkommen erdrücken wird — wenn sie es sich jemals angucken werden. Und dann ist es ja doch nicht das gleiche wie ein hundert Jahre altes Papierbild in den Händen zu halten.

Eine Idee hat Sarah noch, die Platz spart, ohne dass die Fotos auf den Müll müssen: „Heimatmuseen freuen sich auch immer über altes Material, von dem man vielleicht selbst denkt, es sei nicht so interessant für die Heimatkunde.“

Dann muss jedoch klar sein, was die Heimat meiner Bilder ist.

Ich weiß nicht, wer auf dem Foto mit den beiden Frauen das Auto erstmals seit 13 Jahren wieder selbst gefahren ist. Es könnte die Ältere auf dem Bild sein, aber auch der oder die Fotografin. Warum dauerte es 13 Jahre? Woher sie kamen und wie es ihnen geht — keine Ahnung.

Welche Geschichte erzählt Dir das Bild?


Und dann hätte ich noch mehr Fragen…Sippenkitt Profil

→ Was machst Du mit alten Familienfotos?

→ Wie speicherst Du die Fotos, die Du selbst geknipst hast?

→ Sollten wir alle weniger fotografieren?

Ahoi *** Katharina

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