Bitte löschen Sie den Neffen nicht

Neffen können nicht viel, quengeln um Geld und machen ihren Tanten und Onkeln keine Ehre. Wirklich? Neffen sind viel besser als ihr Ruf. 

Screenshot: Delete this Nephew

Screenshot: knowyourmeme.com

Neffe zu sein ist ein Zustand, der unzufrieden machen muss. Das Wort leitet sich ab von dem indogermanischen Begriff nepot. Linguisten vermuten, dass ne für nicht steht und pot für Herr, Gebieter. Das etymologische Wörterbuch übersetzt dies mit Unmündiger — und die Generation Internet entspricht dem sehr hart mit dem Meme „Delete This Nephew“: Ende 2016 tauchte das Foto eines ernst dreinblickenden Mannes im Netz auf. Dessen Neffe hatte sich bei Facebook über Leute lustig gemacht, die beim Autofahren den Gurt anlegen. Der vielfach gefeierte Auftritt des Onkels in den Kommentaren: „DELETE THIS NEPHEW“.

Schon immer hat es Neffen gegeben, die sich von ihren Onkeln abnabeln. Wobei der Römisch-Deutsche König Albrecht I. Opfer einer besonders blutrünstigen Weise der Abnabelung wurde, als ihn im Jahr 1308 sein Neffe Johann von Schwaben hinterrücks ermordete. Der Onkel hatte sich geweigert, dem Jüngling dessen väterliches Erbe auszuzahlen. Der Neffe stieß ihm daraufhin ein Schwert durch die Brust. Auch der britische König Edward VII. steht im Schatten seines Neffen Wilhelm, den wir besser als Kaiser Wilhelm II. kennen. Onkel Edward prophezeite im Jahr 1910: „Ich habe nicht mehr lang zu leben. Und dann wird mein Neffe in den Krieg ziehen.“ Der Rest ist traurige Geschichte. Die Neffen-Ehre hält immerhin Harry Potter hoch, der von seinem Onkel Vernon in ein Kabuff unter der Treppe gesperrt wird und als Zauberlehrling später die Welt rettet.

Ausharren, bis es die Zeit regelt

Meine eigenen Neffen retten auch eine Welt, und zwar die meiner Kindheit. Immer wieder bin ich fasziniert, welche Sprüche, Gepflogenheiten, aber auch Eigenschaften sie widerspiegeln, die ich von meinen Geschwistern kenne. Neulich brachte einer meiner Neffen mir ein Kartenspiel bei, das ich als Kind einen Sommer lang mit meinem Bruder gespielt und danach komplett vergessen hatte. Ein anderer Neffe verkündete: „Früher, als mein Papa 15 war, musste er noch mit der Hand abwaschen.“ Der arme Mann! Musste er gar nicht, denn in meiner Erinnerung brachte er meistens den Müll runter und war in fünf Minuten fertig mit seiner Aufgabe. So viel zur Legendenbildung. Die Neffen sind für mich das lebendige Gedächtnis aus einer Zeit, in der meine Geschwister und ich jeden Tag miteinander verbrachten, am Mittagstisch feixten, mit den Türen knallten oder uns gegenseitig die Süßigkeiten wegaßen.

Meinen 13-jährigen Patenneffen fragte ich, wie es ihm damit gehe, Neffe zu sein. Er schrieb mir: „Es ist cool, mit dem Onkel und der Tante mal was zu unternehmen.“ Gefragt, ob Onkel und Tante eher für ihn wie Eltern, große Geschwister oder Freunde sind, antwortete mein Neffe: „So wie große Geschwister.“ — Was mich freut. Denn in seiner Antwort schwingt mit, dass „Unmündiger“ zu sein für ihn offenbar kein Nachteil ist. Vielmehr spricht aus ihm das stille Wissen der Jüngeren, dass sich ihr Zustand eines Tages von selbst ändern wird. Ganz ohne Waffengeklirr. Don’t delete this Nephew!

Neffen-Musik

Zarah Leander: Yes Sir

Nephew: En Wannabe Darth Vader

Advance Base: Nephew in the Wild

 

Und dann hätte ich noch Fragen…Sippenkitt Profil

→ Was wissen Deine Neffen aus Deiner Kindheit?

→ Was lernst Du als Neffe von Deinen Tanten und Onkeln über Deine Eltern?

→ Wie stehen Tanten und Onkel in Deiner Familie zu ihren Neffen? Wer oder was prägt diese Beziehungen?

 

Ahoi *** Katharina


Foto: pexels / freestockpro

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