Ältestes oder jüngstes Kind? – Fast egal.

Die ältesten Geschwister sind angeblich verantwortungsvoller, die mittleren können gut verhandeln, die jüngsten gelten als Querdenker. Doch für unsere Persönlichkeit ist es gar nicht so wichtig, an welcher Position wir geboren werden.

„Er war eben der Kleine, der erst mal kapieren musste“, sagt der große Bruder. „Er ist nur belogen und betrogen worden“, sagt die große Schwester. Beide erinnern sie sich, dass ihr kleiner Bruder ein verwöhntes Kind gewesen sei, ein Junge, der gelernt habe, die Aufmerksamkeit der Älteren auf sich zu ziehen. Und beide machen deutlich, dass sie hinter ihm stehen werden, egal was kommt.

Und es kam Einiges zu auf Martin Schulz in der Zeit um die Bundestagswahl 2017. Hätte er es zum Kanzler gebracht, wäre er nach Helmut Kohl der zweite Regierungschef der Nachkriegszeit gewesen, der als Jüngster in seine Familie geboren wurde. Angela Merkel und drei ihrer Amtsvorgänger dagegen waren Erstgeborene. Was sagt uns das?

Lange sind Geschwisterforscher der Ansicht gewesen, dass es einen bedeutenden Einfluss auf uns hat, an welcher Position in der Familie wir zur Welt kommen. Thronfolger, Sandwich-Kind oder Nesthäkchen entwickeln demnach schon allein wegen der Reihenfolge ihrer Geburt unterschiedliche Persönlichkeiten: Ältere sollen als die Angepassten und Verantwortungsvollen, die Jüngeren eher als Querdenker durchs Leben gehen. Klingt logisch und wird in vielen Familien als Rollenbild gelebt.

Zwar ist unbestritten, dass wir zu Brüdern und Schwestern eine besonders lange Beziehung pflegen. Schon im Alter von einem Jahr haben Kinder ebenso viel Kontakt zu ihren Geschwistern wie zu ihrer Mutter. Im späteren Kindergartenalter ist es sogar doppelt so viel Zeit. Aber in den vergangenen Jahren sind Experten vermehrt zu dem Schluss gekommen, dass die Geburtenreihenfolge an sich eine geringere Rolle im späteren Leben spielt als bislang gedacht.

Die Älteren erklären die Welt

Leipziger und Mainzer Forscher etwa haben dazu vor einigen Jahren die Daten von rund 20.000 Erwachsenen aus Deutschland, Großbritannien und den USA untersucht. Ihr Ergebnis: Unsere Persönlichkeit hängt nicht mit der Geburtenreihenfolge zusammen. Einzige kleine Unterschiede gibt es den Forschern zufolge beim Intellekt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die älteren etwas intelligenter sind als die jüngeren Geschwister, ist leicht höher. Möglicherweise hängt das aber damit zusammen, dass die erfahrenen Älteren den Jüngeren häufiger die Welt erklären. Diese sind eben die Kleinen, die erst mal kapieren müssen. In mehr als 40 Prozent der Fälle aber ist es umgekehrt — da entwickeln die Jüngeren die höhere Intelligenz.

Zweifellos prägt uns das Verhältnis zu unseren Geschwistern. Wir lernen, konkurrieren und verbünden uns mit ihnen, verstehen, dass Liebe und Hass einander nicht ausschließen. Und dann sind da ja noch die Eltern, die uns erziehen — und Rollen zuweisen.

Foto: pixabay


Und dann hätte ich noch Fragen…Sippenkitt Profil

→ Welche Rolle hattest Du unter Deinen Geschwistern?

→ Wie beeinflusst sie Dich noch heute?

→ Wie haben Deine Eltern solche Rollen möglicherweise gefördert?

Ahoi *** Katharina

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