Schnell weg: Politik verkürzt Familientreffen

Familien in den USA haben sich seit Trump nicht nur gefühlt in politische Lager geteilt. Forscher haben das jetzt auch in Zahlen nachgewiesen — anhand der Verweildauer beim Thanksgiving-Festmahl.

„Na, was macht — ?“ Eine hervorragende Frage, die ich oft auf Familienfeiern zu hören bekomme. Wahlweise setzen die Verwandten dann meine Stadt oder den Namen meines Mannes ein. In kleinerer Runde geht es mitunter auch um meine Arbeit (leider fiel dabei auch das Unwort „Lügenpresse“) oder konkrete politische Unmutsäußerungen. Der große Krach zur Lage der Nation ist allerdings bislang ausgeblieben, vielleicht weil sich die meisten aufgrund ihrer Erfahrungen in der DDR auf derselben Seite wähnen.

Gern würde ich testen, was Forscher jetzt in den USA überprüft haben: Wie lange dauern Familientreffen, wenn die Gäste auf unterschiedlichen politischen Seiten stehen — vor und nach den Präsidentenwahlen im Jahr 2016? Die Antwort können wir uns denken, aber mich verblüfft, wie deutlich sie sich zeigt. Nicht nur gefühlt haben sich ganze Familien in zwei politische Lager entzweit, sondern auch in Zahlen nachweisbar.

Treffen zu Thanksgiving mehr als 30 Minuten kürzer

Die kalifornischen Forscher haben sich dazu einen Anlass herausgepickt, der für viele Amerikaner unverhandelbar ist: das Dinner zu Thanksgiving, für das sie oft lange Reisezeiten auf sich nehmen. Der Feiertag ist an jedem vierten Donnerstag im November und geht auf die ersten europäischen Siedler zurück, die vor fast 400 Jahren ohne die Hilfe der Ureinwohner den harten Winter nicht überstanden hätten. Zum Dank luden die Europäer damals ihre Helfer zu einem großen Fest ein.

2016 fiel Thanksgiving auf den 24. November, also gut zwei Wochen nach der Präsidentenwahl, bei der Donald Trump als Sieger hervorging. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Menschen in jenem Jahr zu Thanksgiving etwa 30 bis 50 Minuten weniger Zeit beim Familientreffen verbrachten als 2015 — wenn sie für das Essen zu Verwandten reisten, die eine andere politische Meinung vertraten als sie selbst. War sich die Familie einig, verbrachte sie im Schnitt 4 Stunden und 42 Minuten miteinander. Teilte sie sich in politische Lager, waren es nur 3 Stunden und 45 Minuten.

Symptom für das soziale Gefüge

Für ihre Ergebnisse haben die Forscher anonymisiert die Handy-Ortungsdaten mit dem Wählerverhalten in den einzelnen Regionen verglichen. Besuchten republikanische Wähler eine demokratische Familie, verkürzte sich das Treffen zu Thanksgiving um 50 bis 70 Minuten. Umgekehrt waren Besuche von Demokraten bei Republikanern 20 bis 40 Minuten kürzer.

Auf die Idee für ihre Studie, die das Magazin „Science“ jetzt veröffentlicht hat, kamen die Forscher, nachdem sie selbst nach der US-Wahl unangenehme Thanksgiving-Dinner erlebt hatten. Ihre Ergebnisse lassen sie fürchten, dass das soziale Gefüge in den USA auseinanderfällt.

(Foto: Pexels/Skitterphoto)


Und dann hätte ich noch Fragen…Sippenkitt Profil

→ Habt du auch Veränderungen bei Familienfeiern erlebt, zum Beispiel während der Flüchtlingskrise oder zu den Bundestagswahlen 2017?

→ Ist es eine gute Idee, einander als Verwandte (erst mal) aus dem Weg zu gehen, wenn politische Meinungen nicht übereinstimmen?

→ Wie überwindest du kritische Momente bei Familientreffen?

Ahoi *** Katharina

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